Was Radio kann

Am 7. März läuft zum letzte Mal ein Rückblick auf die RIAS - Sendereihe „Es geschah in Berlin“ bei Deutschlandradio Kultur.

Anlass für eine Reminiszenz an das Radio als Förderer des kollektiven Gedächtnisses und ständigem Begleiter der Zeitgeschichte.    

Ein wenig Melancholie liegt in der Luft, als der Krimiautor und emeritierte Soziologieprofessor Horst Bosetzky, alias –ky, zum vorerst letzten Mal das Studio 3 im alten RIAS Funkhaus in Berlin Schöneberg betritt. Wie immer pünktlich, denn gleich beginnt die letzte Aufzeichnung der Sendereihe „Aus den Archiven“ mit Wiederholungen aus der legendären Krimihörspielreihe „Es geschah in Berlin“. 

Moderator Olaf Kosert © Jürgen-M. Edelmann
Moderator Olaf Kosert © Jürgen-M. Edelmann

Gastgeber und Moderator der Sendung Olaf Kosert begrüßt seine Hörer gewohnt professionell mit einem freundlichen „Guten Morgen, zu früher Stunde“. Und das, obwohl die Studiouhr bereits auf 12 Uhr mittags vorgerückt ist. Grund dafür ist die, seit der letzten Programmreform im Deutschlandradio Kultur, vorgezogene Ausstrahlungszeit der Sendung auf samstags früh um 5 Uhr. Zuvor wurden die Hörer am Sonntag um 8 Uhr begrüßt und die Sendung entwickelte sich zum Kult. Seit 20 Folgen sitzen Kosert und Bosetzky vor den Mikrofonen zusammen und blicken allmonatlich zurück auf eine Zeit, in der die Stadt Berlin noch geteilt war. Eine Zeit, in der sich die Menschen von Geschichten faszinieren ließen, wie sie im damaligen Rundfunk im Amerikanischen Sektor RIAS zu hören waren. Das Kriminalhörspiel war damals ein fester Bestandteil im Radioalltag - für Macher und Zuhörer.

Horst Bosetzky © Jürgen-M. Edelmann
Horst Bosetzky © Jürgen-M. Edelmann

„Es geschah in Berlin – eine Sendereihe in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei“, so tönte es von 1951 bis 1972 aus den Radioempfängern zahlreicher Haushalte im Empfangsgebiet von RIAS Berlin. Geschrieben wurde die Serie von Werner Brink. Während in 499 Folgen im Milieu der Kleinkriminellen im Westen Berlins szenisch ermittelt wurde, ereignete sich außerhalb des Funkhauses Zeitgeschichte. Historische Ereignisse wie der 17. Juni 1953, der Mauerbau, die Studentenunruhen und die blutige Geiselnahme während der Olympiade 1972 in München, schockten die Weltöffentlichkeit. Horst Bosetzky, der geborene und bekennende Berliner, Jahrgang 1938, bezeichnet sich selbst dabei als „Erinnerungshelfer“ und Olaf Kosert stellt dazu die richtigen Fragen.

Mit Musik, Kritiken, Kommentaren, Hörspielen und vielem mehr ist Radio, damals wie heute, kollektiver Begleiter der Zeitgeschichte - im Großen wie im Kleinen. Das Alltagsempfinden der Menschen prägen jedoch deren persönliche Erlebnisse. Was damals im Radio zu hören war, hilft heute dabei sich daran zu erinnern.

Am 7. März wird die letzte Folge von „Es geschah in Berlin“ bei Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt. Darauf ist die Sendung noch eine Zeit lang im Internet zu hören. 

 © Jürgen-M. Edelmann
Martin Hartwig, Redakteur bei Deutschlandradio Kultur

Martin Hartwig, Redakteur der Sendereihe "Aus den Archiven" bei Deutschlandradio Kultur, zur Idee, die RIAS Sendereihe im Programm zu wiederholen:

 

https://soundcloud.com/j-rgen-m-edelmann/martin-hartwig

Moderator Olaf Kosert
Moderator Olaf Kosert

Olaf Kosert, Moderator der Sendereihe "Es geschah in Berlin" bei Deutschlandradio Kultur zu seinen Erfahrungen mit der Serie und der Zusammenarbeit mit Horst Bosetzky:


https://soundcloud.com/j-rgen-m-edelmann/moderator-olaf-kosert

Horst Bosetzky im Studio von Deutschlandradio Kultur
Horst Bosetzky im Studio von Deutschlandradio Kultur

Krimiautor und Soziologieprofessor Horst Bosetzky über die Radioserie und seine Aufgabe als selbst ernannter "Erinnerungshelfer":


https://soundcloud.com/j-rgen-m-edelmann/horst-bosetzky

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Kommentare: 1
  • #1

    joachim schröder (Samstag, 07 März 2015)

    vielen Dank. Sehr gut. Schade, dass ich erst die letzten vier Sendungen mitbekommen habe. Wie kann ich die Sendungen doch noch hören? Gruss Joachim Schröder Rheinstetten