Willkommen auf meiner Webseite!

Hier finden Sie Informationen über mich, meine Tätigkeit und mein Berufsbild.

Ich bin als Redakteur bei der Zeitung, als freier Mitarbeiter im Hörfunk, freier Journalist und als Moderator tätig.

 

Darüberhinaus berate ich Sie gern auf dem Gebiet der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, formuliere für Sie Pressetexte sowie interne und externe Veröffentlichungen. Dazu organisiere und moderiere ich, vor dem Hintergrund umfangreicher Erfahrung, Ihre öffentlichen Veranstaltungen - überall in Deutschland. Mein Angebot reicht von einer ersten Analyse über die Konzeption bis hin zur Moderation und Umsetzung ihrer Projekte  vor Ort.

 

Verschaffen Sie sich doch gleich einen Überblick über eine Auswahl der von mir vorbereiteten und durchgeführten Veranstaltungen.

 

 

Mein Blog

In meinem Blog sehen, hören und lesen Sie in unregelmäßigen Abständen mehr über ausgewählte Ereignisse in der Medien, Radio und Social-Media Welt. Mit dabei sind Berichte von Veranstaltungen, die ich als Reporter besucht habe - aber auch Hintergründe oder Empfehlungen zu den Schwerpunktthemen Medien und Kultur. Unterwegs bin ich mit professionellem Equipment, so dass in der Regel sendefähiges Tonmaterial und druckfähige Bilder in den Blogbeiträgen eingesetzt werden. Ich freue mich über jede Verbreitung und Weiterleitung meiner Inhalte im Zusammenhang mit dem Hinweis auf deren Urheberschaft. Für die kommerzielle Verwendung beachten Sie bitte die allgemeinen Bestimmungen des Nutzungsrechts und sprechen mich im Zweifel gern an. In meiner Twitter Timeline können Sie erfahren, womit ich mich gerade beschäftige. Ihre Anregungen nehme ich gern entgegen.

 

 

 

Do

24

Aug

2017

Konzertbericht

© Young Euro Classic
© Young Euro Classic

Hier spielt die Zukunft!

Young Euro Classic Festival 2017 in Berlin

Gastbeitrag von Rainer Clute

Im Konzerthaus wurde am Freitag, dem 18. August, auf eindrucksvolle Weise das diesjährige Musikfestival "Young Euro Classic" eröffnet. Ein Sprecher des Orchesters bat das Publikum im vollbesetzten Großen Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt, sich im Gedenken an die Opfer des Terroranschlages von Barcelona zu einer Schweigeminute zu erheben. Diese Minute war - bis auf einen entglittenen Huster eines Konzertbesuchers - wirklich atemberaubend still. Eine Stille des feierlichen Trotzes gegen den Willen von erklärten Terroristen, unsere westliche Art des gesellschaftlichen Lebens infrage zu stellen, eine Haltung, der wir uns ganz entschieden entgegenstellen, wie Willi Steul, der Vorsitzende des Deutschen Freundeskreises Europäischer Jugendorchester, in seiner anschließenden Begrüßung versicherte. Weitere Grußworte fanden Monika Grütters,  Staatsministerin für Kultur und Medien und Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa.

Zuvor wurde die Hymne des Festivals, die seit Jahren alle Young Euro Classic-Konzerte eröffnet, und die der Chefdirigent des Konzerthausorchesters, Iván Fischer, für unterschiedliche Besetzungen komponiert hat, von den Streichern des gastierenden Schleswig Holstein Festival-Orchesters aufgeführt, das dann - nach der Begrüßungszeremonie - noch durch Oboen und Hörner ergänzt wurde.

 

Und nun begann das eigentliche Programm mit Joseph Haydns Cellokonzert in C-Dur. Als Solist setzte sich der junge Franzose Bruno Philippe vor das Orchester, um mit bestechender Leichtigkeit dieses Konzert erklingen zu lassen, das nach seiner Uraufführung 1765 fast 200 Jahre lang verschollen war, bis es 1961 in der Radeninschen Sammlung in Prag wiederentdeckt wurde und sich seither großer Beliebtheit erfreut. Im Unterschied zu seinem bekannteren, aber auch etwas bräsigeren Schwesterwerk in D-Dur wirkt dieses Konzert unbeschwerter. Sein langsamer Mittelsatz wirkte in Bruno Philippes Interpretation wie ein musikalischer Kommentar zur vorausgegangenen Schweigeminute. Die schnellen Ecksätze waren in recht raschen Tempi von großer Virtuosität geprägt. Zu Recht erhielten die Musiker großen Beifall der Zuhörer.

 

Das Publikum wurde dann nach der Pause musikalisch gehörig herausgefordert. Auf dem Programm stand nun eine der gewaltigsten Kompositionen des vergangenen Jahrhunderts, die Turangalîla-Symphonie von Olivier Messiaën mit ihren geballten Klangmassen der Bläser und des Schlagzeuges, für das eigens 10 Musiker zur Verfügung standen. Messiaëns Werk polarisierte das Publikum. Nicht alle Zuhörer konnten oder wollten die gesamte knapp 1½-stündige Aufführung durchstehen. Aber alle anderen wurden durch eine makellose, gut durchgehörte und tadellose Aufführung belohnt. Besonders eindrücklich waren neben all der geballten Kraft der Bläser-Choräle gerade die ruhigen, stillen Passagen, die in nahezu ätherischer Ruhe der Streicher oder auch der Holzbläser die religiöse Einstellung des gläubigen Katholiken Messiaën in aller Schlichtheit entfaltete. Unter den Solisten war vor allem die chinesische Pianistin Di Wu zu bewundern. Aber auch die von Messiaën sehr geschätzte Ondes Martenot, ein Instrument zwischen Klavier und Synthesizer, beeindruckte in Thomas Blochs Interpretation.

 

Vor allem gilt der Dank aber dem Dirigenten Christoph Eschenbach, der mit unermüdlichem Elan die jungen Musiker zu Höchstleistungen anspornte, feinste Klangschattierungen erarbeitete und auch dem gewollten Pathos seinen Platz einräumte. Und am Schluß schien dann auch das Publikum in seinem fast nicht enden wollenden Applaus von der Größe und Feierlichkeit dieser grandiosen Komposition restlos überzeugt. Im Gespräch während einer Probenpause am Nachmittag sagte mir Christoph Eschenbach, der in all dem Klangstreß einen ganz ausgeglichenen und relaxten Eindruck machte, das sei der Konzentration und Begeisterung dieser jungen Musiker geschuldet, von denen womöglich noch kein einziger dieses Werk jemals zuvor aufgeführt hatte. Wie kann man den Sinn eines solchen Festivals besser bestätigen, das unter dem Motto läuft "Hier spielt die Zukunft"?

 

Nach diesem beeindruckenden Beginn muß man sich wohl um die musikalische Zukunft Deutschlands noch keine ernsthaften Sorgen machen.

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Di

28

Mär

2017

Im Gespräch

„Wir müssen, wenn wir Inklusion ernst nehmen wollen, Betroffene selbst zu Wort kommen lassen“

Raul Krauthausen verleiht Menschen mit Behinderung eine Stimme

Interview:

© Melanie Wehnert SOZIALHELDEN e.V.
© Melanie Wehnert SOZIALHELDEN e.V.

 

Raul Krauthausen ist Inklusions-Aktivist und Gründer des Sozialhelden e.V. Mit dem Verein wollen er und sein Team Menschen für gesellschaftliche Probleme sensibilisieren und zum Umdenken bewegen. Seit über 15 Jahren arbeitet er in der Internet- und Medienwelt und hat dort zahlreiche Projekte für Menschen mit Behinderung initiiert. In seiner als Buch erschienenen Biographie „Dachdecker wollte ich eh nicht werden - Das Leben aus der Rollstuhlperspektive“ hält Raúl Krauthausen, der aufgrund seiner Glasknochen im Rollstuhl sitzt, ein persönliches Plädoyer für Toleranz und Freude am Leben. Seit 2015 moderiert er mit „KRAUTHAUSEN – face to face“ im Netz und auf Sport1 seine eigene Talksendung zu den Themen Kultur und Inklusion. 

 

Sie bezeichnen sich als Aktivist für Menschen mit Behinderung. Wie definieren Sie den Begriff Aktivist?

Als Aktivist geht es mir darum, nicht nur Missstände anzuprangern, sondern auch Alternativen aufzuzeigen. Für Menschen mit Behinderung heißt das, für ein Leben ohne Barrieren zu kämpfen. Denn schließlich sind wir diejenigen, die es betrifft.

 

Der Begriff „Inklusion“ spielt in der öffentlichen Debatte eine große Rolle. Was ist für Sie gelungene Inklusion?

Gelungene Inklusion ist das, was ich in meiner Kindheit und Jugend erlebt habe. Das fing im Kindergarten an und ging weiter in der Schule. Ich habe sozusagen einen der ersten Inklusionskindergärten besucht, ohne dass man das damals so nannte. Das ging dann weiter an der Grundschule und auch auf der weiterführenden Schule, der Sophie-Scholl Schule, einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Berlin-Schöneberg, wurde Inklusion gelebt. Das setzte natürlich voraus, dass es dort kleine Klassen mit höchstens 15 Schülern und vielen Pädagogen gab. Viele Fragen würde das lösen. Davon profitierten damals auch Nichtbehinderte. Denn bei einer gelungenen Inklusion müssen Pädagogen für alle da sein.

 

An welchem Punkt der Inklusion befinden wir uns im Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre?

Diese Frage werde ich oft gestellt, halte sie aber für falsch. Das setzt den Gedanken voraus, dass wir irgendwann damit fertig sind. Inklusion ist allerdings ein Prozess. In zwanzig Jahren stehen wir in Sachen Inklusion wieder vor wieder neuen Aufgaben. Bereits jetzt gibt es zum Beispiel Fragestellungen zum Thema Intersektionalität von Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund. Es wird immer mehr Mischformen geben, die in der Gesellschaft mehr zum Thema werden. Wenn es um Inklusion geht, sind wir längst noch nicht soweit wie wir sein könnten. Spanien und Italien haben beispielsweise bereits in den 80er Jahren die Sonderschulen abgeschafft. In Deutschland gibt es Sonderschulen noch bis heute. Konservative Kräfte tun sich in diesem Land schwer, neu zu denken und auf diesem Gebiet für Veränderung zu sorgen. Meiner Ansicht nach bringen Gesamtschulen die Lösung. Orte an denen gemeinsam gelernt wird. Das setzt natürlich auch genügend Lehrpersonal voraus.

 

Welches Land in Europa ist beim Thema Inklusion weiter als Deutschland in Bezug auf Inklusion?

Das sind eindeutig die skandinavischen Länder. Was zählt ist da die Haltung. In Schweden sagt man z.B., wenn wir Gebäude bauen, müssen alle Stockwerke barrierefrei sein. Was nützt es nur einzelne Wohnungen barrierefrei zu gestalten, oder nur die unteren Etagen? Menschen mit Behinderung müssen schließlich in der Lage sein, Nichtbehinderte zu besuchen. Deshalb müssen alle Gebäude ohne Hindernisse gebaut werden und nicht nur Prozent der Neubauten, wie in Deutschland.

 

Sie sind sehr umtriebig. Sie moderieren eine Talkshow bei Krauthausen.tv, haben ein Buch veröffentlicht und sind auf vielen öffentlichen Bühnen unterwegs, wenn es um Rechte von Behinderten geht. Welchen Raum nimmt Ihr Engagement für die Sozialhelden ein?

Ungefähr 50 Prozent meiner Arbeitszeit setze ich für den Verein Sozialhelden ein. Mir ist bei meiner Arbeit wichtig, Menschen mit Behinderung eine Stimme zu geben. Das gilt auch für meine weiteren Aktivitäten, wie etwa in meinem Talkshow-Format „KRAUTHAUSEN - face to face“. Hier stelle ich Menschen mit Behinderung vor, die sich mit den verschiedensten Themen beschäftigen. Menschen mit Behinderung sollten in allen öffentlichen Bereichen vertreten sein. Nicht nur im Sport, wie es allgemein wahrgenommen wird. So auch z.B. in der Kultur. Im Idealfall trete ich in den Hintergrund und die Menschen sprechen selbst für sich.

 

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) wurde seitens der Politik als großer Erfolg für die Rechte von Behinderten verkauft. Sie gehören nicht nur im Netz unter dem Hashtag #Nichtmeingesetz zu den Kritikern der Beschlüsse. Was könnte an dem Gesetz noch verbessert werden?

Das Zustandekommen des BTHG hat von Beginn an drei herausgehobenen Punkten Schwächen: Bereits zu Beginn hat man das Gesetz unter dem Kostenvorbehalt entworfen. Das heißt, seine Auswirkungen durften nicht mehr Kosten verursachen. Das bedeutet nichts anderes als Geld von A nach B zu verschieben. Als zweites Problem sehe ich, dass es Behörden ermöglicht, Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind, in Heime zu zwingen. Das kann immer dann geschehen, wenn eine Assistenz von Menschen mit Behinderung zum Beispiel zuhause mehr kostet, als eine Heimbetreuung. Damit verletzt das BTHG ein Grundrecht des Menschen: Nämlich das der freien Selbstbestimmung wie und wo man wohnen möchte. Als drittes wesentliches Problem des BTHG sehe ich, das noch ungeklärt ist, wie eine Assistenz z.B. bei ehrenamtlichem Engagement von Behinderten geregelt ist. Das Gesetz sieht vor, das der behinderte Mensch zu dessen Ausführung Familie und Freunde in die Pflicht nehmen muss. Das bedeutet auch, dass das gilt, wenn er sich gesellschaftlich-politisch einbringt. Damit wird gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung jedoch massiv eingeschränkt. Darüber hinaus können Sozialämter Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind dazu zwingen, sich einen Assistenten zu teilen. Menschen, die gemeinsam in einer Wohngemeinschaft leben, bekommen auf diese Weise massive Probleme, ihren Individualinteressen nachzugehen.

Wie sieht nach Ihrer Ansicht die ideale Selbstbestimmung auf Berufsebene aus? 

Derzeit dürfen Menschen, die auf Assistenz angewiesen sind, nicht mehr als den doppelten Hartz 4 Satz plus der Mietkosten verdienen. Eine Assistenz ist sehr teuer und als Privatperson kann man sie sich nicht leisten. Um jedoch die Motivation zu fördern, einer Berufstätigkeit nachzugehen und eigenes Geld zu verdienen, muss diese Einkommensbeschränkung fallen. Politiker sollten doch ein Interesse daran haben, dass Menschen mit Behinderung einer Berufstätigkeit nachgehen und dass damit die Inklusion gefördert wird. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sollten schließlich auch Menschen mit Behinderung der gleichen Arbeit nachgehen können wie Nichtbehinderte.

 

Abschließend noch die Frage, woher Ihre Energie kommt, sich so umfassend für Ihre Projekte einzusetzen?

Das sieht immer nach mehr aus, als es ist und nicht alles lastet auf meinen Schultern. Bei den Sozialhelden z.B. sind wir zwölf Leute im Team, die mit mir gemeinsam die Arbeit machen. Bei Krauthausen.tv gibt es eine Redaktion. Dazu treibt mich meine Neugier, gepaart mit Ungeduld, an. Eh ich abwarte bis sich etwas ändert, gehe ich die Sache lieber selbst an. Mein Credo lautet daher auch „Wartet nicht, packt an!“ und „Sprecht nicht über die Betroffenen, sondern mit Ihnen!“

 

Interview: Jürgen-M. Edelmann

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Fr

19

Feb

2016

"Nicht mit mir" von Per Petterson

Jörg Schüttauf

Per Petterson

Klaus Mannchen


Hörspielpräsentation und Publikumsgespräch im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin

Auf Einladung der Königlich Norwegische Botschaft präsentiert Deutschlandradio Kultur, am 3. März um 19 Uhr, das Hörspiel „Nicht mit mir“ im Felleshus der Nordischen Botschaften, Rauchstr. 1, in Berlin. Der Eintritt ist frei. Anmeldung über www.eventbrite.de erforderlich. Link zur Veranstaltung: http://bit.ly/1TRsE2zDer Autor Per Petterson wird anwesend sein.

 

„Nicht mit mir" erzählt von den alten Freunden Jim und Tom. Einst waren sie unzertrennlich. Jim, der Schöne, besucht das Gymnasium, der starke Tommy muss sich gegen seinen prügelnden Vater durchsetzen und in der Sägerei arbeiten. Die lange unverbrüchliche Freundschaft der beiden endet tragisch und abrupt. 30 Jahre später begegnen sich beide wieder, die gemeinsame Erinnerung führt in die Geheimnisse der eigenen Hilflosigkeit.

 

In den Rollen der beiden Freunde werden, als junge Männer und in der späteren Lebensphase, Jörg Schüttauf, Mirco Kreibich, Axel Wandtke und Christopher Heisler zu hören sein. Die Rolle des Vaters wurde von Michael Rehberg gespielt. Darüber hinaus haben Deborah Kaufmann, Christoph Gawenda und Klaus Mannchen uvm. im Hörspiel mitgewirkt. Die musikalische Komposition hatte Andreas Bick.

 

Im Anschluss an die rund 85minütige Hörspielpräsentation sind die Besucher der Veranstaltung zu einem Gespräch mit dem norwegischen Autor Per Petterson, dem Regisseur Steffen Moratz sowie der Übersetzerin Ina Kronenberger und der Leiterin der Abteilung Radiokunst von Deutschlandradio Kultur, Stefanie Hoster, eingeladen.

 

Stefanie Hoster, Leiterin der Abteilung Radiokunst bei Deutschlandradio Kultur, freut sich besonders auf das Gespräch mit dem prominenten norwegischen Autor. Per Petterson wurde 1952 in Oslo geboren. Bevor er sich als Schriftsteller etablierte, arbeitete er als Buchhändler und Übersetzer. Mit seinem ersten Roman „Pferde stehlen“ (2006) wurde er auch in Deutschland sofort bekannt, Petterson erhielt für das Buch mehrere Preise. Sein 2009 erschienener Roman „Ich verfluche den Fluss der Zeit“ ist mit dem norwegischen Brage-Preis und dem Literaturpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet worden.

 

Das Hörspiel ist eine Koproduktion von Deutschlandradio Kultur und dem Hessischen Rundfunk aus  dem Jahr 2015 und wurde im August als Hörspiel des Monats von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ausgezeichnet.

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Do

24

Dez

2015

Schenke Freude!

Präsente symbolisieren einen Wert von Zuneigung. Gerade zum Fest stellen sie an Schenker und Beschenkte hohe Ansprüche. Aber wie findet man das Passende? Das Schenken zu Weihnachten ist ein kultureller Vorgang mit einer mehr als 2 000-jährigen Geschichte. Davon können wir heute noch lernen.

Die Hektik des Alltags bestimmt unser Leben. Es ist jedes Jahr dasselbe: Heiligabend fällt auf den 24. Dezember und kommt doch für viele Menschen   plötzlich. Schließlich ist der Monat Dezember mit zahlreichen Verpflichtungen gefüllt. Da stehen Abschlüsse bevor, und jeder möchte vor Ende des Jahres vieles erledigen. Für  die Auswahl der richtigen Geschenke  bleibt häufig wenig Zeit. So passiert es in all dem vorweihnachtlichen Stress schon mal, dass wir daneben greifen. Das kann fatale Folgen haben.

 Der so schön verpackte Schnellkochtopf für die Partnerin  wird zum Fauxpas, wenn die Beschenkte vermutet, dass mit der Gabe die Erwartung  verbunden ist, der Schenkende wolle künftig das Essen pünktlich serviert bekommen.    Auch Seife und Waschlotionen können zu Missverständnissen mit unangenehmen Folgen führen. Ein teures Parfüm übt nicht zwingend Kritik am Körpergeruch des Beschenkten. 

 

Geschenke, die es zu vermeiden gilt, finden sich in  jedem Benimmbuch: Messer, so heißt es, zerschneiden die Freundschaft, und Kakteen sollten nur diejenigen als Präsent bekommen, die selbst einen stachligen Charakter haben oder häufig vergessen, die Blumen zu gießen. Hochwertige Pelzmäntel, Diamantringe oder wertvolle Perlenketten hingegen sind kein Garant für liebevolle Beziehungen. Großzügigkeit hängt nicht vom Geldbeutel ab. Geschenke verlangen Einfühlungsvermögen und Sensibilität.

 

Worte und wertvolle Gaben

Aber, worum geht es uns eigentlich beim Schenken, und was symbolisieren die kleinen und großen Gaben? Und warum spielt besonders zu Weihnachten das Schenken  eine so große Rolle? Im Christentum haben Geschenke zur Weihnachtszeit eine große Bedeutung. Das  Lukasevangelium   erzählt, dass es Hirten waren, die der Mutter Maria die Worte überbrachten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“.  „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“, so die Bibel. Erst später kamen die Heiligen Drei Könige hinzu und überreichten Gold, Weihrauch und Myrrhe.  Zu den  ersten Geschenken der Weihnachtsgeschichte gehörten also Worte und wertvolle Gaben.

 

Bis heute hat die Weihnachtsgeschichte  einen besonderen Zauber, weil sie auch vom Schenken handelt. Sie sagt viel über den Wert von Präsenten aus. Heutzutage  wollen wir oft den hohen materiellen Ansprüchen des Schenkens und Beschenktwerdens entsprechen. So stürzen wir noch kurz vor dem Fest in die Betriebsamkeit  der Einkaufszentren und Weihnachtsmärkte.

Die oft getroffene Vereinbarung   „Wir schenken uns dieses Jahr  nichts“ scheint  dafür keine geeignete Gegenlösung.  Häufig treffen sich dann genau diejenigen  bei der Präsente-Jagd   wieder, die zuvor einen solchen Kontrakt geschlossen haben.  Im Ergebnis kommt’s dann zum SOS-Geschenk –  wobei die Abkürzung für  Socken, Oberhemd und Schlips steht.

 

Bleibt noch die Auswahl unter zahlreichen Gutscheinen. Diese gehören laut  Statistik des Einzelhandelsverbands zu den beliebtesten Geschenkformen in Deutschland. Ein weites Feld bieten Drogerie-, Friseur- und Wertschecks für Hotels oder Wellnessanbieter. Auch Kino-,  Restaurant- oder  Einkaufsgutscheine für Bücher und Elektronikgeschäfte  sind bei der Geschenkauswahl beliebt.

Allen gemein ist  der Ausweis eines bestimmten Geldbetrags, von dem der Beschenkte eigentlich nicht erfahren sollte. Er könnte Rückschlüsse auf den  Wert seiner Person ziehen. Bei   solchen Einkaufsgutscheinen  ist das   schwer vermeidbar. Doch ist es nicht für Geber und Nehmer sowieso schöner  zum  Weihnachtsfest auch etwas in  Händen zu halten, um es bewundern und bestaunen zu können?

 

Ein Ausweg aus der Ausgewogenheit

„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, sagt der Volksmund. Aber auch große Geschenke können Freude bereiten. Gerade, wenn – wie zu Weihnachten – das gegenseitige Beschenken im Mittelpunkt steht. Oft kommt es dabei auf Ausgewogenheit an. Schließlich möchte niemand mit einem winzigen Präsent einem großen Paket gegenüberstehen. Es sei denn, es handelt sich  um einen Brillantring. Einen Ausweg aus dieser Misere  ist die Handarbeit, das Selbstgebastelte. Bibliotheken und Buchhandlungen bieten eine Menge Literatur zu diesem Thema. Das Angebot reicht vom Makramee bis hin zu selbst gemachten Pralinen.

Doch was ist wirklich wichtig für   den, der gibt, und den, der erhält? Es heißt doch so oft: Schenken macht Freude. Und dieser Satz ist   doppeldeutig zu verstehen. Was für den gilt, der gibt, wirkt  – wenn es gelingt – auch für den, der nimmt. Nur ein gelungener Umgang mit dem Thema Schenken führt zum erwünschten Erfolg auf beiden Seiten.

 

Aber, wie soll das richtige Geschenk nun aussehen, und welche Bedeutung hat es?  Schließlich steht hinter jedem Austausch auch das Bedürfnis nach Anerkennung. Diese kann in  Worten, in Taten, aber auch durch  Präsente geschehen. Im Mittelpunkt steht die Wertschätzung des Gegenübers und die Aufmerksamkeit für den Beschenkten.

 

Dies  findet  nicht nur durch einfache Worte und den Austausch von materiellen Dingen statt. Wichtig ist,  was gesagt wird – und wie, und was geschenkt wird – und wie dies übergeben wird.  Wer den Beschenkten gut kennt und ihn genau beobachtet, kann  leichter einen Treffer landen. 

Wer kleine Kinder hat, kann davon viel erzählen. Sie machen uns oft auf Dinge aufmerksam, die wir Erwachsenen nicht mehr wahrnehmen. Meine kleine Tochter brachte mich  zum Staunen als sie sagte: „Papa, du wünscht dir doch immer einen Kugelschreiber?“ Wie kommt sie nur darauf, fragte ich mich. Nach kurzem Nachdenken lag die Antwort nah. Sie hatte beobachtet, wie häufig ich mein Schreibgerät suche. Als sie mir    einen Kugelschreiber schenkte, ging mir das Herz auf.

 

Kreativität und Zeit

Für Kinder sind Weihnachten, Geburtstag und andere Geschenktermine Höhepunkte im Jahresverlauf und in ihrem Leben. Vielleicht ist Weihnachten  auch  deshalb für sie so ein so großes Fest, weil sie spüren, wie die  Erwachsenen plötzlich alles mit Kinderaugen sehen und sich an ihre eigene Kindheit erinnern.

Schenken ist Ausdruck von Nächstenliebe, heißt es. Und gerade zu Weihnachten  sind die Erwartungen an unsere Mitmenschen  hoch. Das kann auch zu Enttäuschung führen, denn das Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung ist häufig in der Vorweihnachtszeit sehr groß. Sich Zeit für die passende  Geschenkauswahl zu nehmen, kann  eine gute Lösung sein. Selbstgemachtes ist unersetzbar, und was  früher bestickte Tischdecken oder umhäkelte Taschentücher waren, sind heute selbst entworfene Kalender oder das eigens verfasste Buch. Beim Fertigen dieser Artikel widmen sich Schenker   mit Inbrunst dem Beschenkten. Sie geben  das Wertvollste, was Menschen besitzen  – Kreativität und Zeit.

Die schönsten Geschenke sind häufig die, die wir nicht erwarten, sagt man. Das kann der  Besuch eines guten Freunds oder ein plötzlich hereinflatternder Liebesbrief sein. Dinge, die unser Herz erwärmen.  Jeder Zweite in Deutschland möchte vor Weihnachten nicht gefragt werden, was für ihn unterm Weihnachtsbaum liegen soll.

 

Vielleicht sollten wir   deshalb unsere Erwartungen an Weihnachten  und die Geschenke niedriger halten. Das ist ein Trick, mit den Ansprüchen umzugehen. Schließlich  kann derjenige, der nichts erwartet, auch nicht enttäuscht werden.  Wem das zu streng ist, dem bietet das Formulieren eines Wunschzettels  einen Ausweg. Dieser ist vor allem bei Kindern sehr beliebt.  Auf diese Weise wird die Vorfreude auch gleich zur schönsten Freude.

 

Aber,  welche Geschenke sprechen uns wirklich an? Sind es die Dinge, die wir erwarten oder sind es die  wirklichen Überraschungen? Wichtig für viele ist zunächst einmal die Verpackung. Auch sie ist etwas Persönliches, und sie zögert die Spannung hinaus. 

 Eine schöne Verpackung allein kann  aber sicherlich nicht alles sein. Hinter dem Anspruch, genau das Richtige für den anderen zu finden, sollte mehr liegen. Hilfreich ist dabei die Antwort auf die Frage, was wir uns als Geber eigentlich selber wünschen.  Wer die Ansprüche dabei an sich selbst reduziert, ist bestimmt kein guter Schenker. In dem, was wir geben, liegt schließlich  immer auch ein Teil von uns selbst. Eine wichtige Rolle spielt auch der Moment der Übergabe. Das Überbringen der Geschenke zu Weihnachten  ist und bleibt ein wichtiger Vorgang. Besonders für Kinder spielen Weihnachtsmann und Christkind dabei eine wichtige Rolle. Sie sind die Gabenbringer und stehen in dem ein oder anderen Fall auch für einen religiösen Geschenkvorgang. Es wird so getan, als ob eine himmlische Macht die Dinge beschert.   Die Geschenke liegen dann meist schön eingepackt und hübsch arrangiert unter dem Tannenbaum. Im Idealfall bleiben die tatsächlichen Spender anonym oder werden nur schriftlich oder mündlich angegeben. Auch so kann das richtige Geschenk gelingen.

 

Aufmerksamkeit und Wertschätzung

Natürlich macht es uns glücklich, wenn unsere Auswahl bei unserem Gegenüber ankommt und ihm Freude bereitet. Es bewirkt einen seelischen Zustand, der sich durch Ausgeglichenheit, Selbsterkenntnis und Achtsamkeit einstellt. Und häufig liegt die Erfüllung dieses Zustandes in tiefer Zufriedenheit, die sich in Dankbarkeit ausdrückt.

 

Wird das Schenken hingegen zur lästigen Verpflichtung, kann sich genau das Gegenteil einstellen.  Die Annahme von Geschenken verpflichtet in vielen Kulturen zur Gegenleistung. Die Erwartung an  einen schlichten Austausch gilt es besonders bei den uns nahestehenden Menschen zu vermeiden. Ein einfaches Rezept gibt es dagegen leider nicht. Schließlich ist es bei der Erwartung einer Gegenleistung egal, ob unsere Präsente zum Fest groß oder klein ausfallen – ob sie teuer oder preiswert sind. Und vielleicht ist es  auch unwichtig, ob sie bestellt oder überraschend eintreffen.

 

Die Weihnachtsgeschichte erzählt davon, dass Geschenke  sowohl aus Worten wie auch aus materiellen Dingen bestehen können. Ihre Wertigkeit wird gleichermaßen anerkannt. Wobei das eigentliche Geschenk  das Fest selbst ist. Aufmerksamkeit und Wertschätzung haben  dabei die größte Bedeutung. Wem es gelingt, diese für die Beschenkten spürbar zu machen, hat bereits das Passende gefunden.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, und das bedeutet, es ist einzig und allein wichtig,  aus welcher Perspektive  wir die Dinge betrachten. Vollen Kaufhäusern und Märkten  können wir dann ganz gelassen gegenüberstehen und der Hektik Einhalt gebieten. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was uns an dem  anderen wirklich wertvoll erscheint – wofür wir uns Zeit nehmen und was wir beobachten. Ganz plötzlich fällt dann auch die Auswahl des richtigen Präsents zu Weihnachten leichter.  Jürgen M. Edelmann

Dieser Artikel erschien in der Weihnachtsausgabe der Berliner Zeitung vom 27.11.2015

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Mo

11

Mai

2015

Musikalische Hörspielmatinée in der Kunsthalle Vogelmann Heilbronn

 

Das Hörspiel "Katzen haben sieben Leben" nach dem Theaterstück von Jenny Erpenbeck wurde am 10. Mai in der Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn präsentiert.

Der Posaunist Bertl Mütter in Aktion
Der Posaunist Bertl Mütter in Aktion

An einem Sonntagvormittag stand ein besonderes Highlight in der Heilbronner Kunsthalle auf dem Programm. In Zusammenarbeit mit den Städtischen Museen Heilbronn präsentierte Deutschlandradio Kultur im Rahmen einer Hörspielmatinée „Katzen haben sieben Leben“ von Jenny Erpenbeck. Alle Besucher wurden mit einer Kunstführung mit musikalischer Begleitung darauf eingestimmt.

Die Radiokunstfreunde von Deutschlandradio Kultur bekamen damit zum fünften Mal an diesem Ort einen besonderen Einblick in die Möglichkeiten der Präsentation des künstlerischen Hörspiels. Sie honorierten es durch zahlreiches Erscheinen und angeregte Beiträge. Anlass war die Werkschau der Berliner Künstlerin Christiane Möbus. Unter dem Titel „rette sich wer kann“ sind in der Kunsthalle derzeit vierzig Werke aus vier Jahrzehnten Arbeit der Berliner Künstlerin zu sehen, die die geradezu abenteuerliche Vielfalt  ihres Schaffens dokumentieren. Die häufig mit schalkhaftem Witz und Ironie aufgeladenen Objekte setzen die Phantasie in Bewegung.    

Kuratorin Dr. Rita E. Täuber führt durch die Ausstellung
Kuratorin Dr. Rita E. Täuber führt durch die Ausstellung

Als Einstimmung auf das Hörspielereignis führten die Kuratorin Dr. Rita E. Täuber von den städtischen Museen Heilbronn durch die Schau. Der Posaunist Bertl Mütter, der im Hörspiel auch als Sprecher zu hören ist, gab der Ausstellungsführung einen besonderen Reiz: Er spielte Improvisationen während der Führung.

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Mi

04

Mär

2015

Was Radio kann

Am 7. März läuft zum letzte Mal ein Rückblick auf die RIAS - Sendereihe „Es geschah in Berlin“ bei Deutschlandradio Kultur.

Anlass für eine Reminiszenz an das Radio als Förderer des kollektiven Gedächtnisses und ständigem Begleiter der Zeitgeschichte.    

Ein wenig Melancholie liegt in der Luft, als der Krimiautor und emeritierte Soziologieprofessor Horst Bosetzky, alias –ky, zum vorerst letzten Mal das Studio 3 im alten RIAS Funkhaus in Berlin Schöneberg betritt. Wie immer pünktlich, denn gleich beginnt die letzte Aufzeichnung der Sendereihe „Aus den Archiven“ mit Wiederholungen aus der legendären Krimihörspielreihe „Es geschah in Berlin“. 

Moderator Olaf Kosert © Jürgen-M. Edelmann
Moderator Olaf Kosert © Jürgen-M. Edelmann

Gastgeber und Moderator der Sendung Olaf Kosert begrüßt seine Hörer gewohnt professionell mit einem freundlichen „Guten Morgen, zu früher Stunde“. Und das, obwohl die Studiouhr bereits auf 12 Uhr mittags vorgerückt ist. Grund dafür ist die, seit der letzten Programmreform im Deutschlandradio Kultur, vorgezogene Ausstrahlungszeit der Sendung auf samstags früh um 5 Uhr. Zuvor wurden die Hörer am Sonntag um 8 Uhr begrüßt und die Sendung entwickelte sich zum Kult. Seit 20 Folgen sitzen Kosert und Bosetzky vor den Mikrofonen zusammen und blicken allmonatlich zurück auf eine Zeit, in der die Stadt Berlin noch geteilt war. Eine Zeit, in der sich die Menschen von Geschichten faszinieren ließen, wie sie im damaligen Rundfunk im Amerikanischen Sektor RIAS zu hören waren. Das Kriminalhörspiel war damals ein fester Bestandteil im Radioalltag - für Macher und Zuhörer.

Horst Bosetzky © Jürgen-M. Edelmann
Horst Bosetzky © Jürgen-M. Edelmann

„Es geschah in Berlin – eine Sendereihe in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei“, so tönte es von 1951 bis 1972 aus den Radioempfängern zahlreicher Haushalte im Empfangsgebiet von RIAS Berlin. Geschrieben wurde die Serie von Werner Brink. Während in 499 Folgen im Milieu der Kleinkriminellen im Westen Berlins szenisch ermittelt wurde, ereignete sich außerhalb des Funkhauses Zeitgeschichte. Historische Ereignisse wie der 17. Juni 1953, der Mauerbau, die Studentenunruhen und die blutige Geiselnahme während der Olympiade 1972 in München, schockten die Weltöffentlichkeit. Horst Bosetzky, der geborene und bekennende Berliner, Jahrgang 1938, bezeichnet sich selbst dabei als „Erinnerungshelfer“ und Olaf Kosert stellt dazu die richtigen Fragen.

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Di

20

Jan

2015

Blowback – Die Suche                             

Im Januar 2015 stellte Deutschlandradio Kultur eine neue Kombination von Hörspiel und Audiogame in Berlin vor. Der Name Hörgame erscheint vorläufig und klingt dennoch verheißungsvoll.

Ein richtiger Name für das, was hier zu erleben ist, scheint noch nicht so recht gefunden zu sein. Und so wirkten die Verantwortlichen bei der Vorstellung ihres Hörgame im Berliner Deutschlandradio Funkhaus noch etwas unbeholfen. Es handelt sich dabei schließlich um etwas, was als Gattung im Radio noch nicht da gewesen ist. Vielleicht liegt ein Grund für die Zurückhaltung aber auch einfach darin, dass diese „Rundfunkneuheit“ für mobile Endgeräte gemacht ist und nicht ausschließlich im Radio stattfindet. Und bei so etwas ist die - durch Siebentage Regelung, Dreistufentests und Urheberrechtsklauseln - arg gebeutelte Hörspielgemeinde immer etwas verhaltener. Denn, wäre es nicht wunderbar, wenn sämtliche Wort- und Featureproduktionen aus der über 90jährigen Geschichte des Radios ganz einfach im Internet hörbar wären?

Der Damm scheint gebrochen, denn das erste Hörgame der Radiokünstler von Deutschlandradio Kultur spielt mit diesen Möglichkeiten im Netz. Und die Hörer können mitspielen. Allen voran die Leiterin der Abteilung Hörspiel Stefanie Hoster im Schulterschluss mit Dr. Carsten Busch, Leiter der Forschungsgruppe "Creative Media - Forschung und Entwicklung" und Verantwortlicher des GamesLab der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Und so funktioniert’s: Freunde des Hörspiels verfolgen ab jetzt ein Jahr im Netz oder ganz klassisch am 26. Januar bei Deutschlandradio Kultur, um 21.30 Uhr, das Kriminalhörspiel „Blowback – Der Auftrag“.                Die französische Autorin des Stücks Elodie Pascal erzählt eine fiktionale Geschichte. Sie spielt im Jahr 2047. Zwei Konzerne ringen um die Vormachtstellung am globalen Wassermarkt. Die renommierten Geophysikerin Josephine Emmanuel ist entführt worden. Sie soll die Geodaten zu riesigen Süßwasserreserven besitzen – den Schlüssel zur Rettung der Menschheit. Der ehemalige Agent Dereo Durand soll sie finden, doch ihre Spur verliert sich in einem mysteriösen Unterwasserhotel in der Nordsee. Dort, wo die Geschichte des Hörspiels endet, beginnt dessen Weiterführung im Netz. Zusammen mit der Journalistin Julia Khourim begibt sich der Hörer per App auf eine audiophile Entdeckungsreise. Hier ist der Zuhörer selbst gefragt und muss sich per Fingertipps auf dem Bildschirm durch die Level des „Hörgames“ navigieren, um am Ende den Fall zu lösen. Zu sehen ist nichts. Zu hören dafür umso mehr. Denn das Hörgame ist in Binärstereophonie programmiert worden, was dem Spieler via Kopfhörer das räumliche Hören und so die Orientierung in den verschiedenen Spielebenen ermöglicht.

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Mo

17

Nov

2014

Konrad-Wolf-Preis für Jürgen Holtz

Die Akademie der Künste ehrt den Schauspieler mit einer Festveranstaltung und der Vorführung des Films „Holtz. Gespräche um nichts“ von Thomas Knauf.

Eine Hommage aus dem Publikum. Von Jürgen-M. Edelmann

Preisträger Jürgen Holtz
Preisträger Jürgen Holtz

Treffender hätte man es nicht formulieren können, was Ulrich Matthes in seiner Einführung über den diesjährigen Träger des Konrad-Wolf-Preises gesagt hat. „Immer, wenn Jürgen Holtz präsent ist, ist ein Höchstmaß an Anspruch im Raum“.

 

Dieses - fast scheinbar spontan gefasste - Statement von Matthes, dem Leiter der Sektion Darstellende Kunst der Akademie, der in diesem Jahr zusammen mit Jutta Wachowiak, Jutta Hoffmann und Christian Grashof die Jury des Konrad-Wolf-Preises stellt, beschreibt mehr als nur den Mimen Holtz. Es sagt so undenkbar viel über den kleinen verschmitzt dreinblickenden mittlerweile 82jährigen Schauspieler aus. Denn dieser hat den Preis wahrlich verdient. Und Holtz freut sich wie ein kleiner Prinz. Durch und durch Schauspieler. So sehr, dass – als er aufrecht am seinem Stock mit Silbergriff die Bühne betritt - niemand so richtig weiß, ob nun sein kurzes Wanken am Bühnenrand echt oder der geplant tänzelnde Ausfallschritt des mit Charme und Humor reich beschenkten Bühnenprofis ist. Denn Bühnenprofi ist er unbestritten. So sehr, dass er mit seiner Kunst in der Lage wäre, sich selbst aus dem Sprung von der Bühne aufzufangen.

 

Jürgen Holtz, 1932 in Berlin geboren. Sein Vater ein Kaufmann, der ihm die Schauspielerei nie als Beruf zugedacht hatte, und sich dadurch Holtz immer in dessen Schuld fühlte. Die Mutter erkannte schon früh die Bestimmung des Sohnes als sie ihr einziges Kind beim Spiel in der dunkelsten Ecke des Wohnungsflures beobachtete. Auch sie war nicht begeistert und besiegelte das Gesehene mit dem Ausruf: „Um Gottes Willen – der Junge wird Schauspieler“.  1952 ging er aus dem Westen Berlins ans Theaterinstitut nach Weimar, das bereits ein Jahr später nach Leipzig umziehen musste. Und er zog mit. Der dort auf dem Lehrplan stehenden „Stanislawski Methodik“ konnte Holtz nichts abgewinnen. Sie war ihm zu theoretisch. Schließlich besteht die Holtz‘sche Theaterkunst darin, sein privates „Ich“ in die Kunst auf der Bühne einzubringen. Und sei es nur für den kurzen Moment des Auftritts. Das gilt für die Darstellung des in Mundart sprechenden Bayern genauso wie für seine Rolle in der ans absurde Theater grenzenden Darstellung des Jean in Strindbergs „Fräulein Julie“. Das war zusammen mit Jutta Hoffmann am Berliner Ensemble 1975. Die Aufführung geriet in der DDR zu einem Theaterskandal. Die Inszenierung wurde verboten. Sein Privatleben hingegen bleibt draußen vor. „Weil ich nicht drüber lügen will“, so Holtz. 1983 verlässt der Schauspieler den von ihm so bezeichneten „Kleingartenverein DDR“. Erfolge in München, Frankfurt, Hamburg und andernorts schließen sich an, um einige Zeit später im West-Berliner „Bürokratiesumpf“ ähnliche „Kleingeistigkeiten“ in der Theaterszene zu erleben, wie er sie schon im Osten gehasst hat.

Ulrich Matthes mit Jürgen Holtz
Ulrich Matthes mit Jürgen Holtz

Einer breiten Masse wurde er als „Motzki“ Anfang der 90er Jahre im deutschen TV bekannt. Doch anders als Heinz Schubert, dem Protagonisten des deutschen Paradespießers in Wolfgang Menges „Ein Herz und eine Seele“ der 60er Jahre, gelang es Holtz aus dieser Rolle wieder heraus zu schlüpfen. Und das dürfen wir vor allem der Bühne verdanken. Als Peachum brilliert er derzeit in Robert Wilsons „Dreigroschenoper“. Aber auch die Theater dürfen sich bei Jürgen Holtz bedanken genauso wie bei den Autoren und Regisseuren Hacks, Besson, Bernhard, Müller, Traglehn, Schleef, Wilson und vielen anderen.

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Sa

08

Nov

2014

Lichtgrenze

Lichtgrenze an der Bernauer Straße in Berlin
Lichtgrenze an der Bernauer Straße in Berlin
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Do

06

Nov

2014

„Ist zusammengewachsen, was zusammengehört?“

Im Rahmen des Symposiums zum Thema  „25 Jahre Friedliche Revolution und Wiedervereinigung“ am 5. November 2014 in Berlin sprach ich mit Dr. Irene Götz, Ethnologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über die Rolle der Medien im deutschen Vereinigungsprozess. Anlass war die Vorstellung einer von SUPERillu in Kooperation mit den ostdeutschen Tageszeitungen und zebra I consult erstmals vollständig präsentierten Studie zum Stand der Deutschen Einheit.

Dr. Irene Götz, LMU München Foto: Jürgen-M. Edelmann
Dr. Irene Götz, LMU München Foto: Jürgen-M. Edelmann

Die Rolle der Medien im deutschen Einigungsprozess

Interview mit Dr. Irene Götz im Rahmen des Symposiums "25 Jahre friedliche Revolution und Wiedervereinigung am 5. November in der Thüringischen Landesvertretung.

 

https://soundcloud.com/j-rgen-m-edelmann/dr-irene-gotz-zur-rolle-der-medien-im-deutschen-einigungsprozess

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